Der Overland Track! Mein Highlight Australiens. Wie ich darauf gekommen bin weiß ich schon gar nicht mehr genau. Irgendwo habe ich mal was darüber gelesen und mir dann in den Kopf gesetzt diesen Track laufen zu wollen. Der Overland Track hat eine Länge von 80 km und führt durch den Cradle Mountain - Lake St Clair National Park, Weltkulturerbe in Tasmanien. Der Track wird unter den Top 10 Tracks der Welt gelistet.

Da ich überhaupt nicht damit gerechnet habe für eine Woche in der Wildnis zu verschwinden war die Vorbereitung mit einigem Aufwand verbunden. Ich musste mir die komplette Ausrüstung zusammenkaufen oder leihen. Gekauft habe ich (teurer als in Deutschland natürlich): Backpack, Zelt, Sleeping Bag, Edelstahlflasche, Fließjacke, Regenjacke, Regenhose, Leggings, Handschuhe... kurzum, es war eine richtige Investition. Zum Glück habe ich das meiste in Deutschland noch nicht, daher machte das ja noch irgendwo Sinn, aber soviel Geld auf einen Haufen auszugeben tut schon weh. Allein die Fees, damit ich den Weg laufen durfte beliefen sich auf gute 250 Dollar (ca. 150 €). Aber nun genug vom Vorgeplänkel. Dieser Blogeintrag wird riesig, da ich hier meine gesamten Overland Track Erlebnisse reinschreiben werde. Dies zwar arg komprimiert, aber es kam trotzdem was zusammen. Ich war insgesamt 7 Tage auf dem Track. Viel Spass beim lesen...
20. Dezember 2009
Die letzte Nacht in einem richtigen Bett endete um 6.30 Uhr am Morgen. Ich packte meinen Backpack endgültig zusammen und als ich ihn danach probeweise aufsetzte war ich geschockt. Das Teil war schwer ohne Ende. Ich habe das Essen als Hauptgrund ausgemacht, mich aber nicht getraut etwas zurückzulassen. Es war klar, dass sich das rächen würde. Bevor es aber erstmal soweit war durfte ich natürlich erst mal wieder auf den Bus warten. Mit einer halben Stunde Verspätung kam er irgendwann mal um die Ecke. gebogen. Eigentlich ging ich davon aus, dass ich eine ordinäre Busfahrt gebucht hatte, die mich zum Nationalpark bringen würde. Weit gefehlt. Es entpuppte sich als eine halbe Sightseeing Tour, was sich für diejenigen, die einfach nur den Track beginnen wollten als echte Tortour heraus stellte. Nach einem Stop und vielen Erklärungen später kam ich gegen 12.30 Uhr am Cradle Mountain Visitor Centre an. Dort habe ich meinen National Park Pass und meinen Overland Track Pass abgeholt und bin mit einem weiteren Busshuttle ein paar Kilometer weiter zum Anfangspunkt des Tracks gefahren. Dort habe ich mich im Logbuch registriert, danach den Backpack geschultert und los gings!
Der erste Anstieg lies natürlich nicht lange auf sich warten und ich keuchte schnell schwer unter der Last des Backpacks. Sobald der erste Teil des Aufstiegs geschafft war, beschloss ich, dass es Zeit für eine Pause war. Der Ausblick und die Landschaft war hier schon atemberaubend und ich war wirklich schwer beeindruckt. Eine gute Stunde später erreichte ich Marion's Lookout, der einen unglaublich fantastischen Ausblick auf den Dove und Crater Lake bot. Die Kraxelei hat sich also gelohnt.
Nach einer weiteren Stunde Walk über ein Plateau erreichte ich die Kitchen Hut, wo ich meinen Backpack unterstellte und mich aufmachte den Cradle Mountain zu erklimmen. Das Wetter war zwar super, aber leider war ich schon relativ spät dran, ich musste die Waterfall Valley Hut unbedingt vor Sonnenuntergang erreichen. Der Weg zum Gipfel hinauf war Horror. Es war mehr eine Klettertour als eigentlich ein Weg. Teilweise habe ich wirklich Angst bekommen, da der Abgrund nie weit weg war. Aber letztendlich hat es sich gelohnt, die Aussicht war wieder einmal grandios. Allerdings habe ich aufgrund des Zeitdrucks nicht allzu lange auf dem Gipfel verweilt. Der Abstieg war mindestens genauso schwierig wie der Aufstieg, wenn nicht sogar schwieriger.
Wieder beladen mit dem Hauptgepäck ging es im Sonnenuntergang auf die letzten Kilometer. Der Backpack wurde immer schwerer und ich somit immer langsamer. Ich war fix und fertig. Bei Einbruch der Dunkelheit kam ich an der Hut an. Mein gesamter Körper tat weh, trotzdem war ich bester Laune, da die Landschaft an diesem Tage einfach nur atemberaubend war. Schnell habe ich mein Zelt aufgebaut und in der Dunkelheit gegessen. Ein toller erster Tag!
21. Dezember 2009
Die heutige Etappe war mit ca. 9 km die kürzeste des gesamten Tracks. Kein schlechts Timing, da mir alles weh tat. Die Knie waren das Schlimmste, bei jeder Stufe schrie ich innerlich auf. Nach Frühstück, Abbauen & Co verließ ich Waterfall Valley gegen 10.15 Uhr. Nach einer guten Stunde Laufen kam ich schon an der Junction zum Will Lake an und beschloß einen kleinen Sidewalk zum See zu machen (das Hauptgepäck habe ich an der Junction zurück gelassen, wer sollte es schon klauen?).
Nach diesem kleinen Abstecher ging es noch für knappe 2 Stunden weiter mit herrlichen Aussichten auf dem Weg. Ich erreichte Lake Windermere und bis zur nächsten Hütte war es nur noch ein Katzensprung. Nachdem ich mein Zelt auf einer Holzplattform aufgebaut habe, ging es zurück um ein Bad im eiskalten See zu nehmen - schön erfrischend. Den Abend habe ich dann entspannt ausklingen lassen.
Morgen steht eine der längsten Etappen an. Ich hoffe, dass der Muskelkater besser wird, sonst wird das übel.
22. Dezember 2009
Ich werde wohl nie ein Freund der australischen Tierwelt werden. So ein blödes Possum hat doch in der Nacht tatsächlich ein Loch in mein Zelt geknabbert um an mein Futter zu kommen! Es war doch brandneu...
Trotz 6.30 Uhr aufstehen bin ich erst um 10.15 Uhr losgekommen. Ärgerlich, da es heute so eine lange Etappe war. Das Wetter war mässig, es nieselte leicht. Nach einem leichten Anstieg verlief der Weg auf einem Plateau, auf dem sich Wind zum Regen gesellte. Supereklig! Wenigstens hatte ich so mal die Möglichkeit mein Regenzeug auszutesten. Die Hose war gut, die Jacke weniger. Falls sie wasserdicht ist, dann ist sie so dicht, dass sie meinen Schweiß auch nicht raus lässt. Jedenfalls war ich klatschnass. Als ich vom Plateau in ein Wäldchen kam, war der Sturm verschwunden und auch der Regen lies nach. Der Wald war wunderschön mit sehr viel Moss ausgestattet.
Trotz 6.30 Uhr aufstehen bin ich erst um 10.15 Uhr losgekommen. Ärgerlich, da es heute so eine lange Etappe war. Das Wetter war mässig, es nieselte leicht. Nach einem leichten Anstieg verlief der Weg auf einem Plateau, auf dem sich Wind zum Regen gesellte. Supereklig! Wenigstens hatte ich so mal die Möglichkeit mein Regenzeug auszutesten. Die Hose war gut, die Jacke weniger. Falls sie wasserdicht ist, dann ist sie so dicht, dass sie meinen Schweiß auch nicht raus lässt. Jedenfalls war ich klatschnass. Als ich vom Plateau in ein Wäldchen kam, war der Sturm verschwunden und auch der Regen lies nach. Der Wald war wunderschön mit sehr viel Moss ausgestattet.
Ab Kilometer 10 merkte ich den Rucksack wieder schwer auf meinen Schultern lasten. Die Pausen wurden häufiger und das Tempo langsamer. Zusätzlich war der Weg sehr schlammig und verwurzelt, was das Gehen zur Tortour machte. Inzwischen fingen sich auch meine Füße an zu beschweren, was sie in Form von diversen Blasen taten. Allerdings konnte ich in der Ferne schon die nächste Hütte sehen. Der Schein trügt, denn bevor ich sie erreichen konnte, musste ich erst noch durch ein Tal und es sollte noch 3 Stunden dauern, bevor ich das Ziel erreichte. Im Tal selber waren die sogenannten Flog Frats, die passiert werden mussten. Danach kam der härteste Teil des Tages: der finale Aufstieg zur Pellion Hut bei miesesten Wegbedingungen. Dies resultierte ein weiteres Mal in heftigen Schmerzen. Ich entschloss diese Nacht in der Hütte zu verbringen. Die Gründe dafür waren 1. nasse Klamotten und 2. ein löchriges Zelt, was ich erst einer Reperatur unterziehen wollte, bevor ich wieder darin schlief. Ich fange schon langsam an mich nach einer Dusche zu sehnen, aber die Natur begeistert unglaublich. Wenn jetzt noch die Schmerzen nachlassen, dann wäre es ja beinahe perfekt. Mal sehen, wie es morgen so wird...
23. Dezember 2009
Als ich noch vom Schlafsack aus aus dem Fenster blickte sah ich es schon: blauer Himmel! Yes! Heute war die Strecke eigentlich nicht allzu lang, aber ich habe einen Sidetrip auf den Mt. Ossa eingeplant, den höchsten Berg Tasmaniens mit immerhin über 1.600 Metern. Da ich an diesem Morgen kein Zelt zum einpacken hatte, war ich relativ schnell und somit früh startbereit. Anders als bisher, wo ich gegen 10.15 Uhr auf dem Track war, bin ich heute schon um 8.30 Uhr losgestiefelt. Über Nacht sind Muskelkater und Knie besser geworden und ich habe ein gutes Tempo vorgelegt. Nach anderthalb Stunden stetem Aufstieg kam ich an der Pellion Gap, einer Timber Plattform auf einem Sattel zwischen 2 Bergen an. Nach einer kurzen Rast lies ich mein Hauptgepäck mal wieder zurück, um den Mt. Ossa zu erklimmen. Es war nicht so schlimm, wie der Cradle Mountain am ersten Tag, allerdings dafür länger und in der prallen Sonne. Nach guten anderthalb Stunden war ich oben. Was soll ich schon sagen? Der HAMMER!!! Ich saß eine gute Stunde oben und habe die Aussicht genossen. Ich will fast behaupten, dass das wohl das Highlight des Overland Tracks wird...
Runter ging es dann auch wieder in der prallen Sonne und als ich wieder bei meinem Backpack ankam war ich ziemlich fertig und hatte schon all mein Wasser aufgebraucht. Also am nächsten Bach angehalten und die Flasche wieder aufgefüllt. Toll, dass es noch Regionen auf der Erde gibt, wo das unbedenklich ist. Der Rest des Tages war etwas eintönig und vor allem heiß. Kurz nach 16 Uhr bin ich an der Kia Ora Hut angekommen und nachdem ich meine Nase nur einmal in die Hütte gehalten habe, war klar, dass ich trotz Loch im Zelt, das Zelt bevorzuge. Hoffentlich regenet es heute Nacht nicht, die Wolken verheißen nix gutes. Ich hasse es ein nasses Zelt einzupacken. Und hoffentlich ist morgen wieder tolles Wetter.
24. Dezember 2009
Die Nacht im Zelt war furchtbar. Dank meines Possumtraumas bin ich bei jedem Geräusch hochgeschreckt. So war denn auch nicht viel mit Schlaf. Hinzu kam noch, dass es die gesamte Nacht geregnet hat und somit alles nass war. Also habe ich das Zelt halt in Gottes Willen nass eingepackt und bin gestartet. Wenigstens fange ich an mich an den Backpack zu gewöhnen und auch die anderen Schmerzen lassen nach. Daraus resultierend bin ich heute bei leichtem Nieselregen voll durchgestartet. Bereits nach 45 Minuten erreichte ich die Du Cane Hut , wo ich meinen ersten Rast eingeplant habe. Jetzt fing es allerdings wirklich an zu schütten. Zwar habe ich noch einen Abstecher zu 2 Wasserfällen gemacht, danach aber entschieden, dass ich nur noch so schnell wie möglich zur nächsten Hütte kommen wollte! Nach unglaublich schnellen 4 Stunden kam ich an besagter Hütte an, vollkommen durchnässt. Dass die Regenjacke nix taugt, habe ich ja shon festgestellt, aber leider auch das Regencape vom Rucksack hielt dem Dauerregen nicht stand. Das Ergebnis ist, dass fast alle Wechselklamotten nass sind. Super! Die Schuhe sind natürlich auch vollkommen durchnässt, so denn auch die Socken. Da es auch relativ kalt ist wird bis morgen wohl nix trocken werden und ich muss mit nassen Sachen losstiefeln. Alles in allem eigentlich ein schrecklicher Tag.
Ach ja, heute ist Heiligabend! Wir haben in der Hütte (nein, kein Zelt heute) einen Behelfsweihnachtsbaum (ein paar Äste dekoriert mit Müll) aufgebaut und feierten Weihnachten halt im Overland Track Style. Aber ihr hattet hoffentlich ein "normales" Weihnachten.
Ach ja, heute ist Heiligabend! Wir haben in der Hütte (nein, kein Zelt heute) einen Behelfsweihnachtsbaum (ein paar Äste dekoriert mit Müll) aufgebaut und feierten Weihnachten halt im Overland Track Style. Aber ihr hattet hoffentlich ein "normales" Weihnachten.
25. Dezember 2009
Wieder um 6.30 Uhr aufgestanden. Da ich wiedermal kein Zelt zum packen hatte, ging das Einpacken recht flott und um 8 Uhr war ich unterwegs. Die Hütte war schön, die Sachen haben angefangen zu trocknen und der Himmel war heute nur leicht bewölkt. Also alles bestens. Ich schien wieder zu fliegen. Nach 3 eher unspektakulären Stunden überquerte ich den Narcissus River und kam kurz danach an der Narcissus Hut an. Die meisten Wanderer nehmen von hier aus die Fähre zum Lake St Clair Visitor Centre. Ich entschloss mich den Walk komplett zu machen und da es noch so früh war, habe ich entschieden die 2 Stunden zur nächsten Hütte, der Echo Point Hut, noch dranzuhängen. Hier ging es durch sehr dichten und schönen Wald mit ganz viel Moos. Nach wie schon erwartet weiteren 2 Stunden bin ich an der äußerst rustikalen Hut angekommen. Hier werde ich meine letzte Nacht auf dem Overland Track verbringen., bevor es morgen in aller Herrgottsfrühe zu den letzten 3 Stunden des Tracks in die Zivilisation zurück geht.
26. Dezember 2009
Nach einem guten Schlaf bin ich um kurz nach 7 Uhr aufgebrochen. Die letzten Kilometer des Tracks führten immer am See entlang durch dichten Wald. Ich finde es ehrlich gesagt komisch, dass so viele Leute diesen Teil auslassen, der Weg ist wunderschön. Obwohl er am See entlang führte, war es ein ständiges auf und ab und somit doch rech anspruchsvoll zu laufen. 3 Stunden später wurde der Weg breiter und ebener, ich näherte mich der Zivilisation. Und dann war es da: das Visitor Centre! Der Track war zu Ende! Ich dregestrierte mich und kaufte mir eine kalte Coke. Dannd er Blick in den Spiegel: Auweia! Ich sah ja sowas von ungeduscht aus! Zudem habe ich mir irgendwie den Eckzahn gespalten, keine Ahnung wie ich das wieder geschafft habe. Da werde ich in Deutschland wohl einen Zahnarzt aufsuchen müssen. Eine Stunde später stieg ich in den Bus zurück nach Hobart.

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